Mit Gartenbau aus der Armut

Foto: Ernst Zerche

Obwohl ein Großteil der Bevölkerung im Senegal von Landwirtschaft lebt, ist jede/r Fünfte von Mangelernährung betroffen. Während der dreimonatigen Regenzeit werden Hirse, Mais, Reis und Erdnüsse angebaut. Aufgrund von veralteten Maschinen und Werkzeug schaffen es die Kleinbauern aber oft nicht, die Felder vor der Regenzeit zu bestellen. Ausgelaugte Böden, schlechte Samen und Dünger sowie fehlende Lagermöglichkeiten führen zu geringen Erträgen. Am Land sind 40 Prozent der Haushalte gezwungen, auf Notstrategien zurückzugreifen: Sie essen Samen, verkaufen ihre Güter, sie nehmen ihre Kinder aus der Schule und schicken sie als Haushaltshilfen in die Städte.

In den Dörfern gab es bislang wenig Gartenbau, obwohl im Senegal viel Gemüse gegessen wird. Dies ändert sich nun durch ein Projekt der Caritas Kaolack, einer Partnerorganisation von Welthaus: Während der Anbau von Getreide nur in der Regenzeit möglich ist und in männlicher Hand liegt, wird der Gemüseanbau vorwiegend von Frauen in der Trockenzeit betrieben. Der Gemeinderat stellt den Frauen dafür ein Feld zur Verfügung. Das ganze Dorf hilft mit, wenn es eingezäunt wird, um freilaufende Tiere fernzuhalten.

Bei Temperaturen bis 45 Grad ist eine funktionierende Wasserversorgung essenziell: In der Mitte des Feldes wird ein Brunnen angelegt. Eine solarbetriebene Pumpe leitet das Wasser in Becken, von wo die Frauen mit Gießkannen das Wasser zu ihren Beeten bringen. Die Frauen lernen, wie sie aus Viehdung und Haushaltsresten Dünger herstellen, wann welches Gemüse gesät wird, wie sich die Pflanzen mit Mischkultur gegenseitig stärken oder wie aus den Blättern des Neem-Baumes ein natürliches Pflanzenschutzmittel hergestellt wird.

Lucie Diatta aus dem Dorf Santhie Bera erzählt: „Jede Frau hier im Dorf bewirtschaftet eine Parzelle auf unserem Gemüsefeld. Nach intensiver Unterstützung der Caritas Kaolack arbeiten wir heute selbständig. Es gedeihen Melanzani, Chili, Paprika, Tomaten, Zwiebel, Bohnen, Kräuter. Mehr als die Hälfte des Einkommens unseres Dorfes kommt nun aus dem Gemüseanbau. Die Armut ist stark zurückgegangen, wir leben besser als viele Menschen in der Stadt.“ Derzeit wird in acht weiteren Dörfern mit dem Gemüseanbau begonnen. Die Nachfrage ist groß, die Erfolge aus Santhie Bera haben sich herumgesprochen.

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