„Regierung soll sich stärker für religiös Verfolgte einsetzen!“

Foto: Ernst Zerche

Welthaus-Geschäftsführer Dietmar Schreiner appelliert am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von religiös motivierter Gewalt an die Bundesregierung.

In Indien hetzen Hindunationalisten in der Corona-Krise gegen muslimische Tagelöhner. In Nigeria attackiert die islamistische Terrormiliz Boko Haram christliche Gemeinden. Der chinesischen Regierung wiederum werden im Umgang mit den muslimischen Uiguren schwerwiegende Menschenrechtsverletzung vorgeworfen. Drei Beispiele von vielen, die zeigen: Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit gerät weltweit immer mehr unter Druck. Daran soll der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer von religiös motivierter Gewalt am 22. August erinnern. Mit diesem Gedenktag wollen die Vereinten Nationen die Opfer religiöser Verfolgung würdigen und auf die große Zahl von Menschen aufmerksam machen, die von Verletzungen der Religionsfreiheit betroffen sind.

Nun verschärft die globale Corona-Krise die prekäre Situation weiter: Viele Staaten haben auf die Pandemie mit Einschränkungen von Grund- und Menschenrechten, inklusive der Religionsfreiheit, reagiert. Bereits im April erklärte der UNO-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit Ahmad Shaheed, dass die Corona-Pandemie in vielen Ländern zu wachsender religiöser Intoleranz geführt hat. Religiöse Minderheiten würden zu „Sündenböcken“ gemacht und der vorsätzlichen Verbreitung von Corona beschuldigt. Davon seien Mitglieder aller Religionsgemeinschaften betroffen.

Dass die EU nach längerem Hin und Her nun doch das Amt des Sonderberichterstatters für Religionsfreiheit beibehält und ihr Engagement für den Schutz und die Förderung dieses Grundrechts bekräftigt, sei daher ein wichtiger Schritt, meint Dietmar Schreiner, Geschäftsführer von Welthaus Graz. Er fügt jedoch hinzu: „Wir vermissen dieses Engagement leider in Österreich und appellieren an die Bundesregierung: Setzen Sie sich stärker für Menschen ein, die ihre Religion oder Weltanschauung nicht frei ausüben können!“ Das Einsetzen einer Kommission zur Beratung der österreichischen Politik in ihren diplomatischen Schritten sei angesichts der globalen Entwicklungen ein Gebot der Stunde, meint Schreiner. „Die Achtung der Menschenrechte ist das Fundament für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben. Unser Bemühen muss es daher sein, jede Art von Diskriminierung, Bedrängnis und Verfolgung mit Nachdruck abzulehnen, diese Unrechtszustände aufzuzeigen und für ihre Beseitigung einzutreten.“

Welthaus informiert als Einrichtung der Diözese Graz-Seckau über Bedrohungen und Verletzungen der Religionsfreiheit und tritt für die Rechte jener ein, die wegen ihres Glaubens diskriminiert und verfolgt werden. Welthaus zeigt auch positive Beispiele auf, wie Religionsfreiheit und Toleranz zwischen Religionen gelingen. Weitere Infos >>