Corona: Politisches Chaos und kreative Lösungen

Foto: CPT NE2

In Brasilien steht das Gesundheitssystem durch die Corona-Pandemie vor dem Zusammenbruch. Die Krise trifft vor allem die Ärmsten mit voller Wucht. Unsere Projektpartner betreiben Aufklärung, helfen beim Zugang zu Nothilfegeldern, unterstützen die Ernährungssicherung und kämpfen weiter gegen den Landraub.

Brasilien ist mit über fünf Millionen bestätigten Covid-19-Fällen und mehr als 150.000 Toten (Stand: Oktober 2020) extrem stark von der Corona-Pandemie betroffen. Präsident Jair Bolsonaro spielt seit Beginn der Krise das Coronavirus herunter – mit fatalen Auswirkungen auf die Bevölkerung. Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger breiten sich aus, die Lebensmittelpreise steigen und viele Landwirte können ihre Produkte nicht verkaufen, da Märkte geschlossen sind.

Corona trifft die Ärmsten mit voller Wucht

Auch in Brasilien trifft die Corona-Krise die Armen am härtesten. Wie sollen Menschen, die keinen ausreichenden Zugang zu Wasser haben und auf engstem Raum zusammenleben, Hygienemaßnahmen einhalten und Infizierte isolieren? Wovon sollen Straßenhändler, Tagelöhner, Landarbeiter leben, wenn es kein Einkommen gibt? „Die Alternativen sind grausam: Sterben vor Hunger oder durch Corona“, schreibt eine Mitarbeiterin unserer Partnerorganisation CPT.

Inzwischen breitet sich das Virus auch im nordöstlichen Bundesstaat Bahia aus, wo Welthaus gemeinsam mit der CPT Indigene, Kleinbauern und Landlose unterstützt. Laut unseren Partnern vor Ort verschlechtert sich die Situation von Tag zu Tag, das Gesundheitssystem stehe vielerorts vor dem Zusammenbruch. Handelsbetriebe wurden geschlossen, Besuche sind nur in Notfällen erlaubt. Versammlungen und religiöse Aktivitäten sind untersagt.

Auch im Bundesstaat Pernambuco sei die Situation gerade für die Ärmsten äußerst schwierig, berichten unsere Partner von der CPT in Recife: „Die Armen zahlen den Preis für die wachsende soziale Ungleichheit. Die Regierung hat ihr Bestes getan, um Lebensmittel als Ersatz für die Schulspeisung zu verteilen. In den meisten armen Familien gehen die Kinder hauptsächlich zur Schule, um zu essen. Kirchen und NGOs haben dazu aufgerufen, Lebensmittel und Hygieneartikel zu spenden. In der Stadt Recife verteilen Freiwillige Mahlzeiten an Bedürftige.

Kreative Lösungen gegen die Krise

Von den Städten ausgehend trifft die Pandemie nun verstärkt die ländlichen Regionen: Mit der sozialen Isolation und dem Erlass zur Aussetzung von Gemeindemärkten sind die wirtschaftlichen Aktivitäten und Einkommen der Gemeinden erheblich zurückgegangen. Kleinbauernfamilien haben nun Schwierigkeiten, Dinge zu kaufen, die sie nicht selbst herstellen können – wie Reinigungs- und Hygieneartikel.

Angesichts dieser Situation steht unser Projektpartner CPT in ständigem Kontakt mit den Behörden, um den Gemeinden den Zugang zu sozialen Notfallprogrammen der staatlichen und bundesstaatlichen Regierungen zu erleichtern. Die CPT arbeitet auch daran, Stadt und Land stärker zu verbinden, um am Land Einkommen zu schaffen und die Solidarität mit den Ärmsten in den Städten zu verstärken: Mit jenen, die nicht einmal mehr das Haus verlassen können, um Lebensmittel zu kaufen – und mit jenen, die kein Geld haben und nicht wissen, was sie essen sollen.

„Die Situation hat uns herausgefordert, kreative Lösungen zu finden“, berichten unsere Partner von der CPT, die derzeit von zu Hause arbeiten: „Wir pflegen nun virtuelle Kontakte mit den Gemeinschaften mittels Whatsapp. Wir machen auch Umfragen bei den Verbrauchern und unterstützen Kleinbauernfamilien bei der Vermarktung und beim Verkauf ihrer Produkte über das Internet. Wir führen in den Gemeinden Kampagnen für Wurzelspenden (Süßkartoffeln, Maniok, Yamswurzel) und saisonalen Früchten durch und stellen die Infrastruktur zur Verfügung, damit diese Nahrungsmittel die Armen in den Städten erreichen. Am schwierigsten ist der Transport in die Städte.“

Trotz Corona hören die Vertreibungen von Menschen von ihrem Land nicht auf, berichten unsere Partner von der CPT NE2: „Wir begleiten sehr beunruhigende Konfliktsituationen. In dieser Zeit der Pandemie bleiben die Großgrundbesitzer nicht zu Hause in Quarantäne. Es gab zwei Fälle von Morddrohungen. Ein Fall ist der einer traditionellen Fischerin, die Anfang März von der Militärpolizei gefoltert und mit dem Tod bedroht wurde. Ein weiterer Fall ist ein Bauer, der letzte Woche eine Morddrohung erhielt. Er ist Teil einer Gemeinschaft, die für das Recht auf Land im Gebiet Mata Sul von Pernambuco kämpft.“

Bei Angriffen auf die Gemeinschaften schreitet die CPT ein und macht Menschenrechtsverletzungen öffentlich bekannt. Dass sich die Situation in Österreich langsam verbessert, gebe Anlass zur Hoffnung, meint unser Partner von der CPT: „Das motiviert uns und verstärkt die Gewissheit, dass es uns hier auch besser gehen wird und wir aus dieser Situation herauskommen werden.“

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