Corona: Wie lange noch „Business as Usual“?

Informationen zur Hygiene, Schließung von Bildungseinrichtungen, Absage von Sport- und Großevents – und keine Vorgaben zur Schließung von Geschäften und Märkten: Tansanias Regierung ist auf Warteposition.

Es ist nach wie vor fast normaler Wirtschaftsalltag in Tansania – die Regierung zeigt sich noch immer abwartend. Derzeit gibt es nur wenige offizielle Fälle von Covid-19. Der erste Fall wurde am 16. März bestätigt. Eine Person ist mittlerweile verstorben. Inwieweit und wie lange die tansanische Regierung diese Strategie noch weiter verfolgt oder verfolgen kann, ist aus derzeitiger Sicht unklar. Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen wenig Hoffnung aufkeimen: Bei der Ebola-Krise wurde der Regierung noch 2019 noch vorgeworfen, dass sie Verdachtsfälle nicht weitergemeldet hatte.

Schwache Maßnahmen gesetzt

Schulen und Universitäten sind derzeit für einen Monat geschlossen. Nicht notwendige Zusammenkünfte wurden ebenso wie Sportevents untersagt. Gottesdienste und Begräbnisse sind jedoch erlaubt, auch der öffentliche Verkehr funktioniert nach wie vor. Abstand halten bei sozialen Kontakten ist noch immer kein Thema. Die meisten Grenzen sind noch offen, Touristen dürfen nach wie vor ins Land. Einreisende müssen sich allerdings für zwei Wochen in Quarantäne begeben. So kommt es zu einem massiven Einbruch bei den Einnahmen aus dem Tourismus – einer der Haupteinnahmequellen Tansanias.

Inwieweit etwa Märkte und Geschäfte geschlossen sind, hängt von der jeweiligen Lokal- bzw. Regionalregierung ab: Es gibt keine klaren Vorgaben von Seiten der Zentralregierung. Daher ist diese Situation auch in den verschiedenen Regionen und Gebieten sehr unterschiedlich geregelt.

In Tansania ist das Wissen um richtige Hygiene und die Vermeidung einer Ansteckung ein großes Problem. Die Regierung hat eine Kampagne gestartet, die über Fernsehen, Radio, Flyer und Broschüren für mehr Hygiene wirbt. Es ist in Hotels, Büros, Geschäften, öffentlichen Toiletten, Bushaltestellen und Märkten verpflichtend, dass es sanitäre Einrichtungen und Vorrichtungen gibt und dass die Leute ihre Hände waschen und Desinfektionsmittel benutzen.

Darüber hinaus gibt es seitens der Regierung für die Bevölkerung keinerlei Unterstützung. Die Diskussion beschränkt sich eher darauf, wie die Wirtschaft des Landes am Laufen gehalten werden kann und welche Unterstützungen die Tourismusbranche brauchen wird.

Zugang zu Wasser und Hygieneartikeln

Apropos Hygiene: Der Zugang zu sauberem Wasser ist vielerorts auch ohne Corona-Virus schon ein Problem. Nun kommt der verstärkte Hygienebedarf dazu.

In einigen Regionen sind allerdings die Märkte geschlossen. So sind die notwendigen Mittel wie Eimer, Seifen oder Desinfektionsmittel nicht erhältlich. Vor allem Desinfektionsmittel sind Mangelware. Wenn sie überhaupt erhältlich sind, dann zu stark überhöhten Preisen, die sich die Bevölkerung nicht leisten kann.

Was die Preise von Lebensmitteln anbelangt, wurde aktuell noch nicht von Preissteigerungen berichtet. Es ist allerdings lediglich eine Frage der Zeit, bis wann Grundnahrungsmittel wie Mais oder Reis teurer werden.

Aufklärung ist das Gebot der Stunde

Die Welthaus-Projektpartner konnten bisher zum Teil nach wie vor einzelne Familien besuchen. Nicht erlaubt sind Seminare, Workshops und Follow-Up-Meetings, bei denen es zu größeren Menschansammlungen kommen könnte. Die Welthaus-Projektpartner kamen damit auch einer klaren Vorgabe der Regierung nach, die sämtliche Hilfsprojekte mit einem Monitoring begleitet – wonach bis Ende März keinerlei Aktivitäten verschoben werden durften. Die Arbeit wird nun zunehmend auf die Mobiltelefone verlagert, direkte Beratungs- oder Monitoring-Gespräche mit den Zielgruppen finden via Telefon statt.

Bei ihren Gesprächen versuchen die Welthaus-Projektpartner die Menschen in den Dörfern verstärkt über das Corona-Virus aufzuklären und sie zur Einhaltung und richtigen Durchführung der Hygienemaßnahmen und von „Social-Distancing“ zu bewegen. Es ist auch gelungen, in einem lokalen Radiosender umfangreiche Informationen zur Vorbeugung und zum Umgang mit dem Virus zu senden. Die Möglichkeit, Hilfslieferungen in die Dörfer zu bringen, wird von den Welthaus-Projektpartnern gerade geklärt.

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