Am Dienstag, 28. April 2026, fand im Minoritenzentrum Graz der vierte und letzte Teil der Veranstaltungsreihe „Balanceakt CO₂ – Fürchtet euch nicht!“ statt. Unter dem Titel „Geschäftsmodell Klimawandel: Nachhaltig oder Feigenblatt?“ diskutierten Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zentrale Fragen rund um Klimazertifikate, Emissionsmärkte und die Rolle verschiedener Akteur:innen in der Dekarbonisierung.
Die Veranstaltung wurde von JOANNEUM RESEARCH in Kooperation mit der Diözese Graz-Seckau und dem Wegener Center für Klima und Globalen Wandel organisiert, gemeinsam mit weiteren Partnern aus Forschung und Praxis sowie mit Unterstützung des Landes Steiermark.
Im Zentrum der Podiumsdiskussion standen Fragen wie: Handelt es sich um ernstzunehmende Instrumente für den Klimaschutz – oder um fragwürdige Geschäftsmodelle? Diskutiert wurden unter anderem Marktmechanismen, regulatorische Rahmenbedingungen sowie die Verantwortung von Unternehmen und Finanzinstitutionen.
Ein besonderer Beitrag kam von unserer stellvertretenden Geschäftsführerin Sigrun Zwanzger, die eine oft wenig gehörte Perspektive einbrachte: jene der Menschen vor Ort in Projektregionen. Basierend auf ihrer kürzlichen Projektreise nach Tansania sprach sie zum Thema „Bodenkohlenstoffprojekte für den Klimaschutz: Lösung oder Risiko?“
Am Beispiel eines Projekts in Maasai-Gebieten zeigte sie auf, welche sozialen, menschenrechtlichen und ökologischen Herausforderungen mit solchen Initiativen verbunden sein können. Im Fokus standen dabei insbesondere Fragen der Mitsprache lokaler Gemeinschaften, Land- und Weiderechte sowie Transparenz bei Verträgen und Entscheidungsprozessen. Gleichzeitig wurde kritisch beleuchtet, welchen tatsächlichen Beitrag Bodenkohlenstoffprojekte für den freiwilligen Markt zum Klimaschutz leisten und welche Regeln dafür gelten.
Während andere Podiumsbeiträge sich auf die europäische Perspektive konzentrierten, lenkte ihr Beitrag den Blick bewusst auf mögliche Risiken und Zielkonflikte – und unterstrich die Bedeutung, betroffene Gemeinschaften aktiv in Klimaschutzmaßnahmen einzubeziehen.
Das große Interesse am Thema spiegelte sich auch im Publikum wider: Rund 80 Teilnehmer:innen verfolgten die Diskussion aufmerksam, stellten Fragen und beteiligten sich engagiert am Austausch. Die offene und konstruktive Atmosphäre zeigte, wie relevant und vielschichtig die Debatte rund um freiwillige Kohlenstoffmärkte ist.
Wir bedanken uns herzlich bei JOANNEUM RESEARCH für die Einladung sowie bei allen Besucher:innen für einen intensiven und bereichernden Abend voller spannender Perspektiven.
Fotos: © Gerd Neuhold
