Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffskrieges berichten Projektpartner:innen aus der Ukraine von ihrem Alltag. Gemeinsam mit der Diözese Graz-Seckau und Welthaus unterstützen sie die Bevölkerung mit Nothilfe und psychologischer Begleitung.
„Es ist die schwierigste Zeit seit Kriegsanbruch“ erzählt Svitlana am Telefon. „Bei Temperaturen bis zu minus 25 Grad haben wir bis zu 14 Stunden am Tag keinen Strom. Oft funktionieren weder Heizung noch Wasser.“ Von den Stromausfällen aufgrund der russischen Luftangriffe seien Privathäuser genauso betroffen wie Schulen oder Krankenhäuser. „Viele Menschen fliehen aus den umkämpften Gebieten und suchen bei uns um Hilfe an“, berichtet Svitlana. In der nordukrainischen Stadt Konotop betreibt sie mit ihrem Verein ein Zentrum für Kinder und Jugendliche. Seit Kriegsausbruch versorgen sie die Bevölkerung mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten, Kleidung und Heizmaterial – unterstützt von Welthaus Diözese Graz-Seckau.
Permanente Luftangriffe
Mit Notstromaggregaten werden nur die notwendigsten Geräte betrieben. Kürzlich sei der Generator im Kindergarten kaputt gegangen, erzählt Svitlana: „Das liegt an der schlechten Qualität des Diesels und ist überall im Land ein Problem.“ Zudem sei es mittlerweile sehr schwierig, Handwerker für die Reparatur zu finden, die meisten seien an der Front. Der Schulbetrieb sei durch die ständigen Luftangriffe, wenn überhaupt, nur online möglich. „Ein großes Problem sind auch die extremen Preissteigerungen“, erzählt Svitlana. Lebensmittel, Hygieneartikel, Treibstoff kosteten so viel wie in Österreich, die Löhne seien hingegen viel niedriger. Neben der humanitären Hilfe bietet der Verein auch psychologische Betreuung und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche. „Wir hoffen, dass wir den Krieg überstehen und dabei anständige Menschen bleiben“, meint Svitlana.

Von den massiven russischen Luftangriffen auf die Infrastruktur bleibt auch die Westukraine nicht verschont. Strom gäbe es oft nur wenige Stunden am Tag, erzählt der Weihbischof von Ternopil, Wolodymyr Firman, bei einem Besuch in Graz am 10. Feber. Bei einem Raketentreffer auf ein Wohnhaus seien vor rund drei Monaten in Ternopil 40 Zivilisten gestorben. „Am Anfang des Krieges war jedes verlorene Leben eine Tragödie. Jetzt ist es eine Zahl in einer Statistik geworden“. Die Diözese kümmert sich um die vielen Binnenvertriebenen und möchte Kindern und Jugendlichen durch Kurse und Freizeitangebote Perspektiven bieten. Auch die Betreuung von Menschen, die Angehörige verloren haben oder Menschen vermissen, sei enorm wichtig, meint der Bischof. Unterstützt wird seine Diözese bei diesen Maßnahmen von der Diözese Graz-Seckau.
Hilfe aus der Steiermark
Wie in Konotop und Ternopil unterstützen die Diözese Graz-Seckau bzw. Welthaus gemeinsam mit lokalen Partnern in vielen anderen Teilen der Ukraine die kriegsgeplagte Bevölkerung. Neben der Nothilfe mit Lebensmittelpaketen, Hygieneartikeln, Medizin, Kleidung und Heizmaterial wird die Bewältigung psychischer Traumata durch den Krieg immer wichtiger. „Ich staune jeden Tag, was unsere Partner:innen unter diesen unglaublich schwierigen Bedingungen leisten“, sagt Marion Steifer, Ukraine-Referentin von Welthaus. Für alle diese Aktivitäten hat die Diözese Graz-Seckau bisher rund 545.000 Euro zur Verfügung gestellt.
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